Adjustage – Wie man mit einer Fotografie umgeht
Was bedeutet die Adjustage einer Fotografie und warum ist sie wichtig
Die Adjustage einer Fotografie ist der Prozess der technischen und ästhetischen Bearbeitung eines Originalprints – einschließlich seiner Hinterklebung/Montage, Passepartoutierung, Rahmung, Befestigung, Beschriftung und seines Schutzes – damit er sich für die Präsentation, den Transport oder die langfristige Archivierung eignet.
Die Adjustage ist für das Erscheinungsbild und den Schutz von entscheidender Bedeutung. Ein sorgfältig gewählter Rahmen, ein Passepartout oder eine geeignete Trägerplatte können Tonalität, Tiefe und Charakter des Bildes deutlich hervorheben – und zugleich den Print vor Staub, Feuchtigkeit und Beschädigung schützen. Eine hochwertige Adjustage kann darüber hinaus sogar eine durchschnittliche Fotografie zu einem überzeugenden, in sich geschlossenen Werk aufwerten. Sie ist ein Zeichen professioneller Autorenschaft und verleiht der Fotografie ihren finalen, galeriewürdigen Wert.
Wie man richtig mit Kunstfotografie umgeht
Berühren Sie niemals die Bildfläche.
Nehmen Sie die Fotografie stets nur an den Rändern – idealerweise mit Baumwollhandschuhen. Fingerabdrücke, Schweiß und Hautfett sind zunächst unsichtbar, zeigen sich jedoch mit der Zeit als Flecken, Schlieren oder als Veränderung des Glanzgrades. Niemals mit einem feuchten Tuch reinigen! Papier ist porös und nimmt selbst Mikrotröpfchen von Wasser oder Alkohol auf → es entstehen Flecken und irreversible Schäden.
Verwenden Sie einen antistatischen Pinsel (z. B. Hama Antistatic Brush oder Giottos Lens Cleaning Brush).
Oder einen Luftblasebalg (Air Blower) – wie er zur Sensorreinigung verwendet wird.
Wenn es nötig ist, feinen Staub zu entfernen, können Sie sehr vorsichtig mit einem weichen Mikrofasertuch wischen (neu, sauber, ohne Druck!). Leichte Verschmutzungen (z. B. ein Abdruck) lassen Sie besser unangetastet – der Versuch, sie abzureiben, verursacht oft mehr Schaden als Nutzen.
Großformate immer abstützen. Ab A2 und größer die Fotografie niemals nur an einer Ecke anheben. Stützen Sie sie stets mit beiden Händen oder transportieren Sie sie auf einer festen Platte. Zu starkes Durchbiegen kann zu Papierbrüchen führen – ein optischer Defekt, der sich nicht mehr korrigieren lässt.
Matte Pigmentdrucke sind besonders empfindlich gegenüber Abrieb. Die matte Oberfläche nimmt sehr leicht Kratzer, Schlieren oder glänzende Spuren durch Berührung an. Jeder Kontakt mit einer harten oder rauen Oberfläche (Tisch, Rahmen, Schmutzpartikel) kann einen dauerhaften Schaden verursachen. Verantwortungsbewusste Fotografen schützen matte Drucke häufig mit einem geeigneten Schutzlack, der die Abriebfestigkeit erhöht und zugleich die UV-Stabilität verbessert. Dies sollte im Zertifikat der Fotografie vermerkt sein.
Öffnen Sie Großformate am besten erst beim Rahmenmacher. Wenn Sie sich bei der Handhabung nicht sicher sind, ist es sicherer, den Tubus oder die Transportverpackung direkt von einem professionellen Rahmenmacher öffnen zu lassen. Unsachgemäßes Auspacken kann zu Papierbrüchen oder Verschmutzungen führen. Denken Sie daran: Limitierte Autorendrucke werden häufig auf hochgrammigen Papieren gefertigt – diese sind bruchempfindlicher als z. B. gestrichenes Kopierpapier.
Biegen Sie Fotografien niemals und rollen Sie sie nur so weit wie unbedingt nötig. Langfristige Lagerung in einem engen Tubus oder wiederholtes Aufrollen führt zu einem „Memory-Effekt“ des Papiers, erschwert die spätere Planlage bei der Adjustage und kann zudem die Bildfläche mechanisch beschädigen. Beim Rollen wird eine Schutzlage verwendet, die die Fotografie schützt.


Die größten Feinde der Kunstfotografie
1- Säure und ungeeignete Materialien
Saure Materialien sind der stille Zerstörer jeder Fotografie. Billige Kartons, Holzfaserplatten, gewöhnliche Passepartouts oder Papiere setzen saure Bestandteile frei, die mit der Zeit in das Fotopapier eindringen. Diese Stoffe verursachen Vergilbung, Faserbruch und einen Verlust an Kontrast.
Wie man richtig vorgeht: Verwenden Sie ausschließlich archivfeste Materialien mit der Kennzeichnung acid-free oder museum grade. Vermeiden Sie gewöhnliche Klebstoffe, Klebebänder und Pappen – sie können Säuren und Weichmacher enthalten. Bestehen Sie bei Rahmen und Passepartouts konsequent auf konservatorischer, archivischer Qualität.
2-Licht und UV-Strahlung
Der größte Feind einer Fotografie ist Licht – insbesondere direkte Sonneneinstrahlung und UV-Strahlung. Eine langfristige Belichtung führt zum Ausbleichen der Pigmente, zu Tonwertverschiebungen und zum Verlust der Tiefe in den Schwarztönen. Selbst Pigmentdrucke mit deklarierter Haltbarkeit von über 100 Jahren können bei ungeeigneter Beleuchtung Schaden nehmen.
Niemals eine Fotografie an einem Ort mit direktem Sonnenlicht aufhängen! Ideal ist indirektes LED-Licht ohne UV-Anteil. Für eine dauerhafte Präsentation verwenden Sie Glas oder Acryl mit UV-Filter (UV 70–99 %). Bei hochwertigen Prints empfiehlt sich Museumsglas (z. B. Tru Vue Museum Glass, ArtGlass AR 99) oder UV-Acryl – eine bruchsichere Variante, die sich auch für den Transport eignet. Beim Transport einer gerahmten Fotografie ist äußerste Sorgfalt geboten. Bei Formaten mit einer langen Seite von über 100 cm ist der Rahmen – trotz hochwertiger Verarbeitung – anfällig für Durchbiegung, was zum Springen des Glases und zur Beschädigung des Prints führen kann. Schon ein kleiner Stoß kann einen dauerhaften Schaden verursachen; unterschätzen Sie den Transport daher niemals.
3-Feuchtigkeit und Raumklima
Feuchtigkeit ist ein versteckter, aber sehr gefährlicher Faktor. Zu hohe Luftfeuchtigkeit verursacht Wellungen im Papier, Schimmelbildung, Korrosion am Rahmen und das Ablösen von Emulsionsschichten. Ein zu trockenes Umfeld kann hingegen zu Versprödung des Papiers führen.
Halten Sie das Klima stabil: 18–21 °C und 45–55 % relative Luftfeuchtigkeit. Platzieren Sie Fotografien nicht in der Nähe von Fenstern, Heizkörpern oder Klimaanlagen.
Verwenden Sie beim Rahmen konservatorische PVC-Platten (Sintra, Forex Museum Grade) als rückseitige Barriere – sie verhindern, dass Feuchtigkeit aus der Wand in den Rahmen gelangt. Vermeiden Sie kartonartige oder sperrholzbasierte Rückwände – sie ziehen Feuchtigkeit eher an. Sie können den Rahmen oben auf der Außenseite leicht unterlegen, damit er nicht direkt an der Wand anliegt und Luft zirkulieren kann.
4-Wellenbildung und physische Beschädigung der Fotografie
Die Kombination aus Feuchtigkeit, Schwerkraft und einer schlechten Adjustage führt zu einer schleichenden Wellenbildung des Papiers. Das beeinträchtigt nicht nur den ästhetischen Eindruck, sondern kann auch die Oberflächenstruktur des Prints stören.
Verwenden Sie stabile Trägerplatten (archivtauglicher Karton, Kapa Mount, museales PVC). Zwischen Print und Träger sollte ein mikroskopischer Abstand bleiben, damit sich das Papier frei ausdehnen und zusammenziehen kann. Kleinere Fotografien befestigen Sie in allen vier Ecken mit Papier-Eckhaltern (Fotoecken) oder säurefreiem Archivkleber. Bei größeren Formaten empfiehlt es sich, auch die mittleren Bereiche des Prints zu sichern – etwa mit dünnen Archivstreifen oder durch Montage auf einen acid-free-Träger. So verhindern Sie Wellenbildung und sorgen für eine gleichmäßige, stabile Lage der Fotografie im Rahmen.


Abschließende Empfehlungen zur Adjustage Ihrer Fotografie
Suchen Sie sich einen erfahrenen Rahmenmacher in Ihrer Nähe und zögern Sie nicht, alles mit ihm zu besprechen. Ein guter Rahmenmacher hilft Ihnen bei der Wahl des geeigneten Rahmenmaterials, des passenden Glases und der Befestigungsmethode – entsprechend dem Charakter der Fotografie. Die richtige Auswahl und fachgerechte Ausführung beeinflussen sowohl die Wirkung als auch den langfristigen Schutz des Werks erheblich.
Adjustage nach dem Wert der Fotografie und archivische Standards
Das Niveau der Adjustage sollte immer der Seltenheit und dem Wert der Fotografie entsprechen. Eine andere Qualität und Ästhetik erwartet man bei Urlaubsfotos – und eine andere bei einer originalen Autorenfotografie.
Bei außergewöhnlichen Werken lohnt es sich, in museale Materialien, Gläser und konservatorische Arbeit zu investieren. Bei gängigeren Prints ist ein sinnvoller Kompromiss ratsam, damit die Adjustage am Ende nicht mehr kostet als die Fotografie selbst. Meiden Sie Kunststoffrahmen aus dem Supermarkt – oft ohne echtes Glas – sowie Cliprahmen. Der Preis mag im Vergleich zu handwerklicher Rahmung verlockend sein, doch vergessen Sie nicht: Die endgültige Adjustage prägt den Gesamteindruck und die Lebensdauer der Fotografie.













